Queer spaces are safe spaces?

In 2025 haben wir uns mit dem Thema intersektionale Schutzkonzepte in queeren Räumen auseinandergsetzt. Die hier vorgestellte Broschüre verstehen wir als eine erste Grundlage dafür, wie wir in queeren Räumen Verantwortung für Schutz, Respekt und Teilhabe übernehmen können.

Ideen für ein Schutzkonzept für inklusive Gemeinschaftsorte

In 2025 haben wir uns mit dem Thema intersektionale Schutzkonzepte in queeren Räumen auseinandergsetzt. Die hier vorgestellte Broschüre verstehen wir als eine erste Grundlage dafür, wie wir in queeren Räumen Verantwortung für Schutz, Respekt und Teilhabe übernehmen können. Es beschreibt Haltungen, Strukturen und konkreten Abläufe – von Prävention über Awareness bis hin zu Beschwerdewegen und Intervention. Besonders im Blick haben wir Menschen, die mehrfach von Diskriminierung betroffen sind. Wir verstehen das Konzept als lebendigen Prozess und laden alle ein, es mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln und unsere Räume – und den öffentlichen Raum – als Respekträume für viele mitzugestalten.

1. Präambel & Selbstverständnis

Queere Räume entstehen aus einem tiefen Bedürfnis heraus: dem Bedürfnis nach Schutz in einer Welt, die queeres Leben oft unsichtbar macht, pathologisiert oder aktiv bekämpft. Sie entstehen aus dem Wunsch nach echtem Austausch, nach Freude ohne ständige Erklärungen, nach Solidarität, die über bloße Worte hinausgeht. Für viele queere Menschen – und hier sprechen wir insbesondere von Queers of Colour, migrantisierten queeren Personen, trans*, inter* und nicht-binären Menschen, von behinderten und neurodivergenten queeren Personen sowie von jenen, die von Armut und Klassismus betroffen sind – sind diese Räume oft die einzigen Orte, an denen sie durchatmen können. Orte, an denen sie nicht erklären müssen, wer sie sind. Orte, an denen Sichtbarkeit nicht automatisch Gefahr bedeutet. Orte, an denen Verbundenheit möglich wird.

Gleichzeitig müssen wir uns einer unbequemen Wahrheit stellen: Queere Räume sind keine diskriminierungsfreien Räume per se. Die bloße Tatsache, dass wir uns als queer verstehen oder unter dem Dach queerer Community zusammenkommen, schützt uns nicht automatisch davor, einander zu verletzen. Auch innerhalb queerer Zusammenhänge wirken gesellschaftliche Machtverhältnisse weiter, manchmal sogar besonders subtil und schmerzhaft, gerade weil wir uns hier Sicherheit erhofft hatten. Rassismus zeigt sich in queeren Räumen ebenso wie Antisemitismus, Ableismus, Klassismus, Sexismus, Trans*feindlichkeit, Lookismus und Bodyshaming. Diese Diskriminierungsformen verschwinden nicht an der Tür, nur weil wir einen Regenbogen daran gehängt haben. Manchmal treten sie offen zutage, oft wirken sie subtil – in der Art, wie Gesprächsführung funktioniert, wer gehört wird und wer nicht, wessen Körper willkommen ist und wessen als „zu viel“ oder „zu anders“ markiert wird.

Dieses Schutzkonzept basiert auf der grundlegenden Überzeugung, dass Sicherheit kein erreichter Zustand ist, sondern ein fortlaufender, gemeinsamer Prozess. Schutz entsteht nicht durch gute Absichten allein, so wichtig diese auch sind. Schutz entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren: durch klare, nachvollziehbare Haltungen, die wir nicht nur proklamieren, sondern leben; durch verbindliche Regeln, die nicht willkürlich angewandt werden; durch transparente Strukturen, die nachvollziehbar machen, wer wofür verantwortlich ist; und durch die echte, gelebte Bereitschaft aller Beteiligten, Verantwortung zu übernehmen – besonders dann, wenn es unbequem wird.

Wir verstehen dieses Schutzkonzept ausdrücklich nicht als Kontrollinstrument, nicht als Katalog von Verboten, nicht als Werkzeug der Überwachung. Vielmehr sehen wir es als gemeinsame Grundlage, als Orientierungsrahmen, der es uns ermöglicht, Konflikte frühzeitig zu erkennen, Grenzverletzungen ernst zu nehmen und Gewalt – in all ihren Formen – solidarisch zu bearbeiten. Es geht darum, gemeinsam zu lernen, Verantwortung zu teilen und Räume zu schaffen, in denen möglichst viele Menschen möglichst sicher sein können, ohne dabei zu vergessen, dass vollkommene Sicherheit eine Illusion ist. Was wir aber tun können, ist unser Bestes geben, immer wieder neu, immer wieder lernend.

Die Broschüre gibt es als download hier: https://ihaus.org/wp-content/uploads/2026/01/Intersektionales-Schutzkonzept-fuer-queere-Raeume-Fuer-offene-Treffs-Vereinsraeumlichkeiten-und-Community-Orte_Spektrum.pdf

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